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Europera 5

Kategorie
Oper
STUDIO.BOX Thema: Europa
Dauer 1 h ohne Pause
Alter 14+

Musiktheater für zwei Sänger:innen, Klavier und Grammophon
Uraufführung Amsterdam 1991

Mit dem Kultursemesterticket Erfurt haben Studierende der Universität Erfurt und Fachhochschule Erfurt freien Eintritt.

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John Cage – Europera 5

EUROPERAS – Negation der Oper?

Im Jahr 1987 gab die Oper Frankfurt bei John Cage (1912–1992) ein Werk in Auftrag: eine „irreversible Negation der Oper an sich“. Hieraus resultierten gleich zwei Werke, die noch im selben Jahr unter den Titeln Europera 1 & 2 in Frankfurt zur Aufführung gebracht wurden. In ihnen erklingt, ebenso wie in den 1990 für das Almeida Festival in London entstandenen Europeras 3 & 4 und in Europera 5, keine einzige Note, die von Cage im herkömmlichen Sinne „komponiert“ worden wäre. Stattdessen sieht Cage vor, dass Material anderer Komponisten zum Einsatz kommt: Fragmente des bisherigen europäischen Opernschaffens werden als „ready-made music“ bzw. als „musique trouvée“ begriffen und zum Bestandteil des übergeordneten Kunstwerks Europera gemacht.

So entsteht eine Art „Sampling-Oper“. Anders als bei gesampelter Musik üblich – und auch im Gegensatz zu allen Konventionen des europäischen Opernschaffens – sollte die Kombination der verwendeten Elemente jedoch vom Zufall bestimmt sein. John Cages Komposition ist in diesem Fall also nicht musikalischer Art sondern eher im Sinne der Bildenden Kunst zu verstehen: Cage erstellte – der ursprünglichen Wortbedeutung entsprechend (lat. componere = zusammenstellen / gegenüberstellen) – Vorgaben für den formalen Aufbau seines Kunstwerks.

  • Sänger 1: 5 Arien nach eigener Wahl, 1 Tiermaske, Kleidung nach eigener Wahl
  • Sänger 2: 5 Arien nach eigener Wahl, 1 Tiermaske, Kleidung nach eigener Wahl
  • Pianist: 6 Stücke aus Opern, normales Spiel / shadow playing, Kleidung nach eigener Wahl
  • Grammophonspieler: 6 Platten mit Opernarien eigener Wahl, Kleidung nach eigener Wahl
  • Ton: Radio (live, von außen), Fernseher (live), Truckera (vorproduzierte Tonspur aus 101 gleichzeitig erklingenden Opernarien)
  • Beleuchtung: 24 bis 48 Scheinwerfer (zufällig entstehende und ablaufende Lichtereignisse), die Uhr (nach der sich alle Beteiligten richten)

In diesem Kompositionsprozess wurden sämtliche Darstellungsebenen streng voneinander getrennt: Gemäß Cages Angaben werden die verschiedenen musikalischen Elemente (Gesang, Klavierspiel und Grammophon) dabei anhand computergestützter Zufallsoperationen zeitlich und räumlich unabhängig voneinander organisiert. Gleiches gilt für die Lichteffekte und Tonzuspielungen. Ein beliebiges, vorgefundenes Bühnenbild wird in 64 durchnummerierte Quadrate unterteilt. Während die Position von Flügel, Grammophonspieler, Ton- und Lichttechniker per Zufallsprinzip für die gesamte Vorstellungsdauer festgelegt werden, erhalten die Sänger:innen zufallsgenerierte Vorgaben, zu welchem Zeitpunkt der genau 60 Minuten andauernden Aufführung sie sich in welchem der Quadrate aufzuhalten und mit ihren Arien einzusetzen haben. Zusätzlich sind ebenso zufällige Zeiträume vorgegeben, in denen sie stumm mit zufällig im Theaterfundus gefundenen Tiermasken auftreten sollen.

Dort, wo die Vorträge von Pianist und Sänger:innen sich zeitlich überlappen, gibt Cage eine dynamische Hierarchisierung vor: stets nur einer der Akteure soll vordergründig wahrgenommen werden. Der/die jeweils andere Interpret:in tritt in den Schatten zurück: der/die zweite Sänger:in singt offstage und der Pianist soll beim sogenannten „shadow playing“ so leise spielen, dass nur gelegentlich und unwillentlich Töne erklingen.

Alle Zahlen wurden für jede Vorstellung neu errechnet, sodass sich an jedem Abend andere Konstellationen ergeben. Die Bezüge der Musik zueinander sind also nicht vom Komponisten bewusst beeinflusst und ergeben sich (zusammen mit den persönlichen Opernerinnerungen oder Gedanken der Zuschauer) in jeder Vorstellung neu. Der Titel ist ein Wortspiel, das aus der Kombination von „Europe“ und „Opera“ entsteht und zugleich – wenn der Titel ausgesprochen wird – auch wie „Your Opera“ (Deine Oper) klingen kann.

Klavier / Samuel Bächli
Inszenierung / Markus Weckesser
Ausstattung / Mila van Daag

Mit freundlicher Unterstützung von

Besetzung

Inszenierung

Markus Weckesser

Details
Weckesser Markus
Ausstattung

Mila van Daag

Details
Van Daag Mila
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