Ausgenutzt, beleidigt, betrogen. Der Soldat Wozzeck steht gesellschaftlich mit dem Rücken zur Wand. Seit er mit Marie ein uneheliches Kind bekommen hat, ist er geächtet und darauf angewiesen, seinen kümmerlichen Sold durch allerlei unangenehme Gelegenheitsjobs aufzubessern, um das Kind wenigstens finanziell versorgen zu können. So rasiert er den Hauptmann, der ihm ständig vorwirft, kein guter Mensch zu sein, und stellt sich sogar einem arroganten Doktor zu medizinischen Experimenten zur Verfügung. Immer mehr stumpft er gegen die Demütigungen ab, aber als Marie, das Letzte, was ihm geblieben ist, ihn mit dem stattlichen Tambourmajor betrügt, kann er sich nicht mehr kontrollieren. Scheinbar zwangsläufig führt dies zu Mord und zu seinem eigenen Tod.
Auf einer wahren Begebenheit, den gerichtlichen Gutachten von 1824 über die Zurechnungsfähigkeit von Johann Christian Woyzeck beruhend, erschreckt an der Handlung vor allem die Gleichgültigkeit der Gesellschaft gegenüber dem Schicksal eines Einzelnen. Der Egoismus und die fehlende Fähigkeit zum Mitgefühl sind Themen, die heute aktueller scheinen denn je. Alban Berg war 1914 nach einer Schauspielaufführung des Dramenfragments von Georg Büchner so gefesselt von dem Stoff, dass er sofort mit der Vertonung begann. Nicht nur schuf er durch die Verwendung von Strukturen der Instrumentalmusik als Gestaltungsprinzip eine neue Form, sondern sein 1925 uraufgeführtes Werk stellt zweifellos durch seine markante musikalische Sprache, die intelligente Verknüpfung von atonalen, impressionistischen und leitmotivischen Stilmitteln sowie durch die intensive Umsetzung des geistigen Inhalts einen Meilenstein der Operngeschichte des 20. Jahrhunderts dar.
Premiere Sa, 25. Februar 2017, 19.30 Uhr, Großes Haus