Freispruch, yes! Tessa Ensler, eine junge, erfolgreiche Strafverteidigerin, glaubt fest an die Logik des Rechts. Sie ist spezialisiert auf die Verteidigung mutmaßlicher Sexualstraftäter und macht sich juristische Prinzipien – allen voran die Unschuldsvermutung – ohne Skrupel zunutze. Für sie ist praktisch, dass in der Regel Aussage gegen Aussage steht. Als sie von einem Kollegen vergewaltigt wird, zieht sie vor Gericht und steht den demütigenden Prozess auf der anderen Seite des Zeugenstandes durch. Ihre bisherigen Überzeugungen wandeln sich radikal.
Der aufwühlende Monolog von Suzie Miller, die selbst lange als Anwältin arbeitete, legt die Grenzen des Rechtssystems bei sexualisierter Gewalt gegen Frauen offen – und unterstützte in einigen Ländern über die Bühne hinaus juristisches Umdenken: Zunehmend wird in Gesetzestexten festgehalten, dass jede sexuelle Handlung ohne explizite Zustimmung aller Beteiligten strafbar ist – „nur Ja heißt Ja“. Deutschland hat 2025 die EU-weite Einführung dieser Richtlinie blockiert. Auch hier gilt noch wie in vielen weiteren Ländern, dass Opfer von Sexualdelikten nachweisen müssen, dass sie ihren Unwillen deutlich gezeigt oder ausgesprochen haben.
Mit I want to live! thematisierte die STUDIO.BOX u. a. Machtmissbrauch gegenüber Frauen in künstlerischen Arbeitssituationen. Julia Maronde, regelmäßig zu Gast auf den Bühnen im Theater Erfurt, richtet nun mit Regisseur Maik Priebe den Blick auf Gleichberechtigung sowie das Spannungsfeld von Moral, Recht und Gerechtigkeit in der Justiz.
Premiere / Do, 08.04.2027, 20 Uhr
BOX.Backstage / Mi, 31.03.2027, 17.30 Uhr