Programm
Lili Boulanger: D’un matin de printemps
Karol Szymanowski: Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 op. 35
Erik Satie: Gymnopédie Nr. 1 (orchestriert von Claude Debussy)
Franz Schubert: Sinfonie Nr. 4 c-Moll Tragische D 417
Ein herrlicher Frühlingsmorgen, der von mehr als dem verheißungsvollen Zauber eines Tages voller Möglichkeiten kündet. Ein so unbeschwert lebhaftes Lüftchen beflügelt Lili Boulangers D’un matin de printemps, das die Komponistin – die erste weibliche Gewinnerin des renommierten Prix de Rome – mit 24 Jahren nur wenige Wochen vor ihrem Tod 1918 in Töne setzte. Während sie Zeit ihres von Krankheit gezeichneten Lebens hauptsächlich in ihrer Heimatstadt Paris weilen musste, unternahm der Pole Karol Szymanowski ausgiebige Bildungsund Inspirationsreisen, bis ihn der Erste Weltkrieg in die Heimat zwang. Sein erstes Violinkonzert von 1916, uraufgeführt 1923, lässt im Konzertsaal die Temperaturen zu berauschter Hitze steigen: Beredte Elegie, martialische Rohheit, schalkhafte Tanzwut und nahezu unerhörte Ekstase wechseln einander ab.
Dagegen zeugt Erik Saties Gymnopédie Nr. 1 für Klavier von nahezu weihevoller Schwere, die schmerzhaft aus jedem Akkord spricht. Debussy verpasste der durch Einfachheit einnehmenden Miniatur seines späteren Trauzeugen, der sich lange Zeit sein Geld als Pianist in Cafés und Kabaretts von Paris verdiente, 1896 ein süffiges Orchestergewand.
Zu dieser Zeit war Franz Schubert in Frankreich noch vornehmlich als „Liederfürst“ bekannt. Seinen Sinfonien wandte sich – auch die deutsche – Nachwelt völlig zu Unrecht erst verspätet zu. Meisterhafte Beherrschung beweist die Tragische mit klassischer Eleganz und romantischem Geist. Durch geheimnisvolle und getriebene Passagen führt sie am Ende per aspera ad astra, durch die Nacht zum Licht.
Mittagskonzert / Do, 03.06.2027, 12.30 Uhr