Programm
Richard Wagner: Wesendonck-Lieder
in einer Orchestrierung von Richard Wagner und Felix Mottl
Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 9 d-Moll op. 125
Richard Wagners Wesendonck-Lieder, entstanden während seines Schweizer Exils ab 1852, sind nicht nur ein Zeugnis der leidenschaftlichen, doch unerfüllten Liebe zu Mathilde Wesendonck, sondern auch ein künstlerisches Bindeglied zu seinem revolutionären Musikdrama Tristan und Isolde. Die fünf Vertonungen von Wesendoncks Gedichten, ursprünglich für Klavier und Frauenstimme komponiert, reflektieren in ihrer sehnsuchtsvollen Expressivität die innere Zerrissenheit des Komponisten. Wagner selbst orchestrierte später das Lied Träume für kleines Ensemble und Solovioline; eine vollständige Instrumentierung des Zyklus’ schuf Felix Mottl.
Ebenfalls auf einem literarischen Text basierend, doch von universellerem Anspruch, ist Ludwig van Beethovens neunte Sinfonie. Diese bedeuteten einen radikalen Bruch mit der sinfonischen Tradition: Gesang in einer Sinfonie war bis dahin undenkbar. Doch nicht nur formal, auch inhaltlich setzte der Komponist Maßstäbe. Die „Neunte“, mit ihrer visionären Botschaft von Humanismus und Völkerverständigung, überwand nationale Grenzen und wurde zum Symbol europäischer Einheit – die Melodie des Schlusschors ist als Instrumentalversion seit 1985 offizielle Hymne der Europäischen Union. Die zeitlose Aktualität der Sinfonie, die Verbindung von Schillers Idealismus mit Beethovens musikalischer Vision, bleibt bis heute ungebrochen.
Mittagskonzert / Do, 08.01.2027, 12.30 Uhr