Otello, siegreicher Feldherr auf Seiten Venedigs im Kampf gegen die Türken, gerät in die Fänge des zwielichtigen Fähnrichs Jago. Dieser fühlt sich hintergangen, als der Offizier Cassio ihm bei einer Beförderung vorgezogen wird. Jago verwickelt daraufhin seinen Konkurrenten in ein Duell mit dem Venezianer Rodrigo und bringt ihn so um die Karriere. Seines Postens enthoben, ist Cassio ein willkommenes Opfer für Jagos Intrige gegen den verhassten Otello. Jago spielt Cassio ein Taschentuch Desdemonas zu und präsentiert es dem eifersüchtigen Otello zum richtigen Zeitpunkt als vermeintlichen Beweis der Untreue seiner Gattin. In blindem Hass glaubt Otello Desdemona als die Geliebte Cassios überführt und tötet sie im Ehebett.
„Verdi hat der Kunst den großen Dienst erwiesen, dass es von nun an unmöglich sein wird, minderwertige Dramen und jämmerliche Verse zu vertonen.“ Dieser Satz des mit Arrigo Boito befreundeten Dichters Antonio Fogazzaro fasst den revolutionären Rang von Libretto und Partitur des Otello in wenigen Worten zusammen. Gleichwohl war der Schaffensprozess, der sich von September 1879 bis November 1886 hinzog, von ständigen Zweifeln Verdis geprägt. Die späte Hinwendung zum Theater Shakespeares verlief parallel zur Neufassung des Simon Boccanegra (1881) und der Umarbeitung des Don Carlo (1884) und forderte von Verdi, wie aus dem Briefwechsel mit Boito immer wieder zu erfahren ist, nichts weniger als die Überwindung so ziemlich aller Konventionen der überkommenen italienischen Operntradition. Die Uraufführung am 5. Februar 1887 markiert folglich einen wahrhaften Neubeginn, einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zum durchkomponierten Musikdrama.
Premiere Sa, 24. Mai 2014, Großes Haus