Nathan der Weise

Genre
Schauspiel

Schauspiel von Gotthold Ephraim Lessing
Uraufführung Berlin 1783
Gastspiel des DNT Weimar

Dauer: ca. 2:15 h | Eine Pause

Lessing entwirft mit seinem Nathan der Weise ein Sinnbild des vorurteilsfreien und respektvollen Umgangs der Religionen untereinander.

Die Handlung versetzt Lessing in das Jerusalem der Kreuzzüge des 12. Jahrhunderts. Hier lebt der kluge und diplomatische jüdische Kaufmann Nathan mit seiner angenommenen Tochter Recha. Diese verliebt sich in einen jungen Tempelherrn, selbst Gefangener des herrschenden Saladin. Er rettet sie zwar aus den Flammen des väterlichen Hauses, verweigert sich ihrer Zuneigung aufgrund ihrer Religion jedoch zunächst. Dass Recha und er Geschwister sind und auch noch wider jede Erwartung die Kinder eines Muslims – der wiederum der verstorbene Bruder des Saladin ist, dem Herrscher von Jerusalem –, dies lässt Lessing seine Figuren erst zum Ende des Stücks entdecken. Die familiären Bande führen zusammen, was ohnehin zusammengehört. Sie kennen keine religiösen Grenzen oder Vorbehalte. Doch dabei werden auch Identitäten ohne Zögern genommen und neu zugewiesen, so wie auch die Geldströme sich mit leichter Hand zwischen politischer und ökonomischer Macht hin und her bewegen.

Anhand eines historisch anmutenden Stoffes beschäftigt sich Lessing mit den Begriffen seiner Zeit und lässt seine Figuren den Kern humanistischer Ideale verhandeln. Eine Lektüre heute zwingt uns die Gültigkeit seiner Idee von Respekt und Toleranz neu zu prüfen. Denn die Frage nach einer fried- lichen Koexistenz von Religionen und Kulturen ist die Frage nach dem Zusammenleben trotz Unterschieden und Unvereinbarkeiten. Greifbare Zukunftsvision oder Utopie?

Inszenierung Hasko Weber

Ausstattung Thilo Reuther
Dramaturgie Carsten Weber
Musik Sven Helbig

Besetzung

Sultan Saladin Sebastian Nakajew | Sittah Johanna Geißler | Nathan Sebastian Kowski | Recha Isabel Tetzner | Daja Anna Windmüller | Ein junger Tempelherr Thomas Kramer | Ein Derwisch Marcus Horn | Der Patriarch Julius Kuhn | Ein Klosterbruder Krunoslav Šebrek

Fotos: Volker Beinhorn