Durch ihre als schicksalhaft empfundene Liebe zu Jason hilft Medea, das sagenumwobene goldene Widderfell, das sich ihr Vater unrechtmäßig angeeignet hat, zu entwenden und zurück nach Griechenland zu bringen. In der Heimat aufgrund ihrer seherischen Gabe und ihrer Zauberkräfte schon lange eine Außenseiterin, folgt sie dem Geliebten auf einem Weg, der für sie von einem Exil ins nächste führt. Letztendlich zerbricht sie an der menschlichen, gottunähnlichen Realität von Jasons Leben, seinen politischen Kompromissen und seinem Verrat an ihrer beider Liebe für den Preis des gesellschaftlichen Aufstiegs am Hof von Korinth. Während er dort ein Zuhause findet, begegnen die Einheimischen ihr, der Fremden, mit Argwohn. Als Jason sie verstößt, um die Königstochter Glauke zu heiraten, und sich auch ihre Kinder von ihr abwenden, zieht Medea voller Verzweiflung in einem letzten Aufbäumen alles um sich herum mit in den Abgrund...
Nach längeren Studien zu einem Einzelstück Medea fasste Franz Grillparzer 1818 den Plan für eine umfangreiche Trilogie. Diese bot ihm die Möglichkeit, nicht nur die Ereignisse in Korinth, sondern
auch die mit dem Medea-Mythos verknüpften Teile der Argonautensage und die mythische Geschichte des goldenen Vließes zu erzählen. Sein so zwischen 1818 und 1820 entstandenes dramatisches Gedicht "Das goldene Vließ" umfasst die Stücke Der Gastfreund, Die Argonauten und Medea.
DNT-Hausregisseurin Nora Schlocker inszeniert die drei Teile in einer auf die Figur der Medea konzentrierten Fassung und geht dabei der tragisch endenden Liebesgeschichte zwischen der kolchischen Königstochter und dem griechischen Helden Jason nach. Gemeinsam mit ihrem Ensemble versucht sie dem Mythos auf die Spur zu kommen und das, was an diesem für uns heute noch existentiell ist, auf dem Theater zu verstehen.