Die bösartige Intrige am Hof der Burgunder, die im mittelhochdeutschen Nibelungenlied zum Tod des unschuldigen Helden führt, erregte Richard Wagners Theaterinstinkt, und er entwarf im Jahr 1848 das Drama Siegfrieds Tod. Bei der Ausarbeitung wuchs das Werk zu einem vierteiligen Opernzyklus. Die Geschichtebeginnt mit dem Raub des Rheingolds durch Alberich und wird über die Begegnung der Geschwister Siegmund und Sieglinde und den Werdegang des jungen Siegfried und dem gleichzeitigen Machtverlust Wotans bis zum finalen Weltenbrand erzählt.
Wagner konzipierte das fantastische Werk nicht als überlanges Märchen, mit seinem Rückgriff auf den Mythos wollte der ehemals steckbrieflich gesuchte Revolutionär vielmehr eine Parabel gestalten, die einer zukünftigen Gesellschaft zur Grunderzählung taugt. Es ist das Parabelhafte und Mythische dieses Stoffs, das dem Puppentheater besonders liegt. Eine märchenhafte Welt voller Zwerge, Drachen und wandelnder Götter nutzt und fordert die Stärken der Gattung. Genauso vermag das Spiel der Puppen die Zeichenhaftigkeit zu vermitteln, die jede Figur als Hinweis auf größere Zusammenhänge begreift. In diesem Sinne ist die erneute Kooperation zwischen Theater Erfurt und Theater Waidspeicher ein Bekenntnis zu der erzählerischen Wucht, die das Hauptwerk Richard Wagners auch im Jahr seines 200. Geburtstages noch entfaltet. Die reduzierte Fassung bietet – anders als bei den Aufführungen des gewaltigen, 16 Stunden dauernden Zyklus‘ – die Möglichkeit eines unverstellten Blicks auf den Ring, mit herausfordernden Einsichten für Kenner und einladender Prägnanz für Einsteiger.
Premiere Donnerstag, 7. Februar 2013