Harpagon ist ein Geizhals und als solcher die vollkommene Inkarnation der zweiten Todsünde. Seine Parole "Geiz ist geil" äußert sich im hemmungslosen Vergrößern seines Besitzes und multipliziert seine krankhafte Angst, bestohlen zu werden. So treibt sein Schutz- und Sicherheitsbedürfnis für das geliebte Vermögen fast schon wahnwitzige Blüten. Eher machtbesessen und skrupellos ist dafür sein Verhältnis zu Tochter Elise und Sohn Cléanthe, die unter dem alten Knauser schwer zu leiden haben. Eheschließungen stehen ins Haus. Um zu sparen, sucht der Vater für seine Tochter den alten Anselme aus, der bereit ist, auf eine Mitgift zu verzichten, und Cléanthe soll eine ebenso betagte wie betuchte Witwe heiraten. Natürlich sind die beiden mit den väterlichen Heiratsplänen ganz und gar nicht einverstanden, zumal sie ihre Herzen - ohne das Wissen Harpagons - schon verschenkt haben. Cléanthe, der die hübsche Marianne liebt, muss nun erfahren, dass auch sein Vater ein Auge auf die junge Nachbarstochter geworfen hat. Jean Baptiste Poquelin (1622-1673), der sich als Schauspieler und Dichter Molière nannte, zog 13 Jahre lang mit einer Wandertheatertruppe durch Frankreich. Mit seinen in dieser Zeit entstandenen und erprobten Theaterstücken kehrte er nach Paris zurück und errang einen durchschlagenden Erfolg. Seit 1661 konnte er sich als Dramatiker, Schauspieler, Regisseur und Direktor eines eigenen Theaters ganz der Komödie widmen. Sein Theaterschaffen ist breit gefächert, von der pointierten Farce über die Prosakomödie bis zur Haute Comédie. Zu seinen bemerkenswertesten Stücken zählt Der Geizige.
Premiere 28. August 2008, Theatrium