Albert Pesendorfer singt erstmals Wotan in Das Rheingold
Die Anfrage, ob er die Rolle des „Wotan“ in Richard Wagners Oper Das Rheingold in Erfurt übernehmen wolle, erhielt Albert Pesendorfer schon vor eineinhalb Jahren. Aus mehreren Gründen beantwortete er die Anfrage sehr gern mit „ja“. Zum einen sei Erfurt eine wunderschöne Stadt, zum anderen aber auch der Ort, an dem der gebürtige Oberösterreicher, entdeckt von Guy Montavon, von 2002 bis 2005 am Theater Erfurt sein erstes festes Engagement erhielt. In besonderer Erinnerung ist ihm die Eröffnung des neu gebauten Opernhauses 2003 mit der Oper Luther geblieben, bei der er den Maler „Lucas Cranach“ sang. Ein Jahr später debütierte er als "Baron Ochs" im Rosenkavalier, seiner inzwischen meistgesungenen Partie, und zwei Jahre später gab er sein erstes Wagner-Rollendebüt als "Gurnemanz" in Parsifal.
Von Erfurt aus startete schließlich seine internationale Karriere. Er sang an renommierten Opernhäusern wie der Wiener Staatsoper, der Deutschen Oper Berlin, der Semperoper Dresden, der Hamburgischen Staatsoper, dem Teatro Real Madrid und der Nationaloper Tokyo. Zudem brillierte er als Bass auch beim Müpa-Festival Budapest sowie den Bregenzer und Bayreuther Festspielen. Sein Opernrepertoire umfasst rund 100 Partien, vorwiegend die des deutschen Wagner-Fachs wie „Hans Sachs“, „Veit Pogner“, „Landgraf Hermann“, „Gurnemanz“, „König Heinrich“, „König Marke“, „Fasolt“, „Hunding“ und „Hagen“ oder die des italienischen Fachs, wie „Filippo II.“, „Zaccaria“, „Sparafucile“ und „Banquo“.
„Mit Wotan schließt sich nach fast 20 Jahren ein Kreis, den man auch als Ring bezeichnen könnte“, erzählt Albert Pesendorfer im Gespräch. Von der Tonlage ist „Wotan“ nach „Hagen“ in der Götterdämmerung und „König Heinrich“ in Lohengrin kein großer Schritt mehr, beschreibt er: „Bei allen Wagner-Bass-Partien muss man sehr höhensicher sein. Wotan ist vielleicht von der Tessitura her ein bisschen höher gelegen vom Tonumfang aber kürzer und geht nicht so weit in die Tiefe runter“. Neue Gesangstechniken musste er sich für die Vorbereitungen auf die Rolle dank seiner 25-jährigen Erfahrung nicht aneignen.
Was ist das Besondere an Wotan, wollen wir von Albert Pesendorfer wissen?
Inhaltlich ist Wotan ein sehr spannender und zwiespältiger Charakter. Als Göttervater und Herrscher der Götterwelt hat er ebenfalls menschliche Züge. Auch er verfällt der Macht des Ringes und kann sich dem Drang, ihn zu besitzen, nicht entziehen. Am Ende steht ein Kompromissfrieden. Wotan hat zwar den Ring verloren, kann aber mit seiner Walhall, Freia und der Hoffnung, den Ring wieder zu finden, gut mit der Situation umgehen. Für das Publikum wird die Geschichte textnah und damit sehr gut verständlich erzählt. Die einzelnen Figuren sind alle sowohl durch ihre Kostüme als auch durch ihre Handlungen klar erkennbar.
Warum sollte man sich Das Rheingold nicht entgehen lassen?
Es ist eine unglaublich komplexe Geschichte, die von einer tiefgründigen Musik begleitet wird. Von bombastischen bis hin zu zart transparenten Klängen im Zusammenspiel mit der Bühnen- und Lichttechnik wird Das Rheingold zu einem besonderen visuellen und akustischen Erlebnis.
Vielen Dank für das sehr angenehme Gespräch.