Matthew Ferraro ließ sich auch von Puschkin inspirieren
In Puschkins Roman Eugen Onegin träumt Tatjana nach der Zurückweisung durch Onegin, dass ein Bär sie verfolgt. Beim Weglaufen stürzt sie irgendwann, und der Bär trägt sie schließlich in eine Hütte, in der Onegin mit Monstern an einer großen Tafel sitzt. Peter I. Tschaikowski orientierte sich eng an Puschkins Versroman für das Libretto der Oper, straffte die Handlung jedoch auf die zentralen Konflikte.
Weder Tschaikowski noch Matthew Ferraro bringen Tatjanas Albtraum auf die Bühne. Dennoch bekommt der Bär im dritten Akt seinen Auftritt in Erfurt. In der Stadt St. Petersburg wird er von zwei Clowns in reich verzierten Kostümen an einer Leine geführt, die gemeinsam mit einigen Tänzerinnen und Bäckern mit riesigen Torten an einer langen Schlange hungriger, auf Essen wartender Menschen vorbeiziehen. Matthew setzt bewusst auf russische Klischees. Er bringt nicht nur den Bär auf die Bühne, der in russischen Märchen und Volkssagen eine weit verbreitete Figur ist, sondern lässt auch eine vier Meter hohe Matrjoschka aufstellen, um mit diesen Kontrasten ein Zeichen von Luxus und der Perversion zu setzen – sich ein Wildtier, und noch dazu ein nationales Symbol, zähmen und vorführen zu lassen, während andere Menschen hungern. Überreichtum gibt es eben nur auf Kosten anderer.
