Eugen Onegin

Welche Rolle spielt der Bär?

Matthew Ferraro ließ sich auch von Puschkin inspirieren

In Puschkins Roman Eugen Onegin träumt Tatjana nach der Zurückweisung durch Onegin, dass ein Bär sie verfolgt. Beim Weglaufen stürzt sie irgendwann, und der Bär trägt sie schließlich in eine Hütte, in der Onegin mit Monstern an einer großen Tafel sitzt. Peter I. Tschaikowski orientierte sich eng an Puschkins Versroman für das Libretto der Oper, straffte die Handlung jedoch auf die zentralen Konflikte.

Weder Tschaikowski noch Matthew Ferraro bringen Tatjanas Albtraum auf die Bühne. Dennoch bekommt der Bär im dritten Akt seinen Auftritt in Erfurt. In der Stadt St. Petersburg wird er von zwei Clowns in reich verzierten Kostümen an einer Leine geführt, die gemeinsam mit einigen Tänzerinnen und Bäckern mit riesigen Torten an einer langen Schlange hungriger, auf Essen wartender Menschen vorbeiziehen. Matthew setzt bewusst auf russische Klischees. Er bringt nicht nur den Bär auf die Bühne, der in russischen Märchen und Volkssagen eine weit verbreitete Figur ist, sondern lässt auch eine vier Meter hohe Matrjoschka aufstellen, um mit diesen Kontrasten ein Zeichen von Luxus und der Perversion zu setzen – sich ein Wildtier, und noch dazu ein nationales Symbol, zähmen und vorführen zu lassen, während andere Menschen hungern. Überreichtum gibt es eben nur auf Kosten anderer.

Eugen Onegin | Matruschka
Foto: Jakob Burkhardt | Eugen Onegin – Matruschka
Eugen Onegin – Jula Reindell
Foto: Steffi Becker | Eugen Onegin – Jula Reindell

Die Kostümbildnerin Jula Reindell stattet das Ensemble in enger Abstimmung mit dem Regisseur und Bühnenbildner Matthew Ferraro mit Kostümen aus den 80er-Jahren, aus der DDR und der heutigen Zeit aus, um die Zeitlosigkeit der Liebesgeschichte zwischen Tatjana und Eugen und zugleich die Unterschiede zwischen Arm und Reich zu verdeutlichen. Ideen und Inspiration fand sie in russischen Märchen, in Geschichtsbüchern und auch im Fundus des Theaters. Viele Kostüme wurden umgearbeitet, einige konnten aus früheren Inszenierungen wiederverwendet und andere wie das Bärenkostüm und Teile der Clown-Kostüme wurden neu geschneidert bzw. wurden sogar extra neue Clownsschuhe vom Schuhmacher des Theaters hergestellt.

In den Werkstätten wird überall noch fleißig gewerkelt. In der Schneiderei arbeitet Steffen Richter gerade ein paar verfilzte Fellflächen in das flauschige Bärenfell aus Webpelz ein, und im Malsaal verpasst die Leiterin Claudia Fischer der Hälfte der Bodenfläche, die später auf der Drehbühne liegt und die kalte, erbarmungslose Außenwelt darstellt, einen eisigen Anstrich. Einige Teile des Bühnenbildes wie das Haus der Familie Larin und ein paar große kahle Birken stehen bereits auf der Seitenbühne bereit zum Aufbau.

Eugen Onegin | Claudia Fischer – Leiterin Maalsaal


Wir drücken allen Beteiligten die Daumen für die Endproben und freuen uns auf die Premiere von Eugen Onegin am 10. Oktober und alle weiteren sechs Vorstellungen im Großen Haus. Karten sind im Besucherservice und online erhältlich.