Vorbereitungen für Macbeth!

Vom ersten Entwurf bis zur Umsetzung

Wir treffen die Puppenbauerin Kathrin Sellin bereits Ende Januar im Theater Waidspeicher zu einem spannenden Gespräch über die Herstellung der Puppen für Macbeth!

Kathrin Sellin ist in Erfurt geboren und aufgewachsen und wollte schon immer selbst etwas gestalten. Während ihres Studiums zur Spielzeugformgestalterin an der Fachhochschule Sonneberg hat sie sich viel handwerkliches Knowhow angeeignet. Sie kennt sich bestens im Modellieren, im Abformen, in der Metallbearbeitung und in der Textilgestaltung aus. Doch schnell merkte sie, dass ihr die Herstellung einer Kopie oder die Nachbildung eines Modells ohne jegliche kreative Eigenleistung wenig Freude bereitete. Der Start im Theater Waidspeicher war damals ein großes Abenteuer. Das Puppentheater stand 1986 kurz vor der Neueröffnung im sanierten Waidspeicher-Gebäude am Domplatz, als eine feste Mitarbeiterin kündigte. Jetzt war Not am Mann, denn die Arbeiten am geplanten Premierenstück waren längst nicht fertig. „Der technische Leiter Christian Schalldach bat mich damals einzuspringen, und so begann meine Zeit hier im Haus“, erzählt uns Kathrin Sellin Ende Januar in den Werkstätten des Puppentheaters.

Für jede Inszenierung werden immer neue Puppen gebaut, da die Anforderungen so speziell und die Puppenarten extrem unterschiedlich sind. Ob mit Handpuppen, Fingerpuppen, Stabhandpuppen, Tischhandpuppen oder Marionetten gespielt wird, entscheidet das Regieteam. Was das Aussehen der Puppen betrifft, haben manche Regisseure sehr konkrete Vorstellungen und bringen zum Teil Fotos mit. Andere wollen Entwürfe sehen und geben dafür eine Richtung vor wie zum Beispiel karikiert, naturalistisch, schön oder eher ruppig. Letzteres bevorzugt Kathrin Sellin, denn so kann sie ihre künstlerische Freiheit und Kreativität richtig ausleben. Sie malt ihre Entwürfe, die für mich schon Kunstwerke sind, auf Papier, stimmt diese mit dem Regieteam ab und legt nach der Freigabe direkt mit der Umsetzung los. Wie sie die Puppen baut und welche Materialien sie dafür verwendet, entscheidet sie selbst, wobei ihr die jahrelange Erfahrung natürlich sehr hilft.

Die Entwürfe für die Puppenköpfe in Macbeth! entstanden aus Wassertropfen, die Kathrin Sellin auf bemaltes Papier tropfen ließ und nach dem Trocknen einscannte. Unglaublich viele skurrile Formen und Gestalten entdeckte sie beim Ansehen der vergrößerten Bilder am Computer, die sie nach dem Ausdrucken mit Linien nachzeichnete und als finale Vorlage nutzte. Insgesamt fünf Puppenköpfe, davon drei Hexen, Lady Macbeth und Banquo, modellierte sie danach aus Ton. Anschließend wurden die Tonköpfe jeweils zur Hälfte mit Gips abgegossen und nach dem Trocknen zu einem Gipsabdruck zusammengefügt. In die ausgehärteten Gipsformen goss sie Theatergießmasse, eine Art Kautschuk, die nach dem Trocknen und Entfernen der Gipsformen den fertigen Puppenkopf ergibt.

Probenstart für Macbeth!

Regisseur Christian Georg Fuchs stellte bei der heutigen Konzeptionsprobe sein Regiekonzept vor. Macbeth, gespielt und gesungen von Kammersänger Máté Sólyom-Nagy, steht im Mittelpunkt der Inszenierung, und Puppen stellen die magischen Figuren dar. Bewusst verzichtet er auf die Körper der Puppen. Er will etwas Geheimnisvolles und Schemenhaftes erzeugen und setzt dabei auf das Spiel mit den Köpfen. Beim Aussehen geht es ihm nicht um naturalistische Abbilder, sondern um die Darstellung von Wesen und Dämonen aus Macbeths Warnvorstellungen. „Deshalb dürfen die Köpfe auch so vergammelt und gruselig aussehen, wie auf den Entwürfen. Wichtig ist, dass die Puppen immer einen Blick haben und einen Angucken können“, erklärt Kathrin Sellin.

Auf der Bühne schafft die Ausstatterin Mila van Daag mit verschiedenen Lichteffekten und gespannten Stoffen eine Mischung aus Realität und Traumwelt, in der sich Macbeth bewegt und immer wieder mit sich und seinen Taten hadert. Seine posttraumatische Belastungsstörung wird durch die Begegnungen mit den Hexen, Lady Macbeth und Banquo sowie einzelnen Körperfragmenten wie Armen und Beinen, gespielt von Melissa Stock und Heinrich Bennke, in seinen Warnvorstellungen immer schlimmer. Von Angst und Schuldgefühlen getrieben, verfällt Macbeth schließlich völlig dem Verfolgungswahn, bis er in der finalen Konfrontation den Tod findet.

Das Regieteam freut sich gemeinsam mit dem künstlerischen Ensemble, dem Pianisten Ralph Neubert und dem Multiinstrumentalisten Gundolf Nandico auf die Proben in den nächsten fünf Wochen.

Die Premiere der Koproduktion des Theaters Waidspeicher und des Theaters Erfurt findet am 10. April 2025 um 20 Uhr in der STUDIO.BOX statt. Karten und weitere Informationen erhalten Sie im Besucherservice und online.