Von der Viehzucht zur Musik

Die Leidenschaft für die Musik veränderte das Leben von Luis Ángel Arteaga Onofre

Im März 2026 war der Kontrabassist zuletzt in seiner Heimat Kolumbien, um seiner Familie auf der Farm zu helfen. Sein Großvater hatte damals mit der Viehzucht begonnen, sein Vater stieg später in das Geschäft ein. Schon mit sechs Jahren konnte Luis reiten und half täglich bei der Arbeit auf der Farm mit. Neben der Schule und der Arbeit mit den Tieren sorgte seine Mutter dafür, dass er ein Instrument lernte. In der Schule wurde Musik nicht unterrichtet, doch in seinem Dorf gab es die Fundación Nacional Batuta, eine der größten sozialen Musikinitiativen der Welt. Seit 1991 bietet die Stiftung in Kolumbien kostenlose Musikprogramme für Kinder und Jugendliche an, um durch Musik soziale Entwicklung und Heilung zu fördern. Mit acht Jahren begann Luis, dort Kontrabass zu spielen, und mit 14 Jahren stand sein Entschluss fest. Er wollte professioneller Kontrabassist werden, so wie sein großes Vorbild Edicson Ruiz. Dieser war 2003 im Alter von 17 Jahren das zweitjüngste Mitglied der Berliner Philharmoniker und der erste lateinamerikanische Musiker in diesem Orchester. Mit seiner Mutter zog er schließlich nach Villavicencio, wo er seinen Schulabschluss machte. Danach ging er nach Bogotá, um sein Musikstudium an der dortigen Universität zu beginnen. Viel Zeit, um seinem Vater weiter auf der Farm zu helfen, blieb ihm dabei nicht mehr. Und doch nahm er so oft es ging die abenteuerliche Heimfahrt von der kolumbianischen Hauptstadt in sein Dorf auf sich. Sechs Stunden pures Abenteuer. Mit dem Kontrabass im Schlepptau ging es erst mit dem Auto, dann mit dem Bus, anschließend mit dem Boot und schließlich sogar mit dem Traktor weiter.

Foto: Privat | Luis Ángel Arteaga Onofre
Foto: Wolfgang Lienbacher | Luis Ángel Arteaga Onofre, Rolando Villazón

Nach seinem Bachelor war er über Erasmus ein Jahr lang in Spanien, bevor er im Jahr 2024 sein Masterstudium an der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar begann. Dank eines erfolgreichen Probespiels wird er 2025 Mitglied der Orchesterakademie des Philharmonischen Orchesters Erfurt. Für ihn war das ein „Geschenk des Lebens“, wie er selbst sagt. Obwohl für ihn alles neu war, lernte er dank der tollen Menschen im Theater Erfurt schnell, sich zurechtzufinden. Mit seinem Kontrabassquartett spielte er auf persönliche Einladung des international bekannten Tenors Rolando Villazón zuletzt ein Konzert im Mozarteum in Salzburg. Am 14. Juni um 11 Uhr präsentieren sich im Akademiekonzert in der STUDIO.BOX erstmals alle 16 Orchesterakademist:innen mit einem selbst zusammengestellten Programm. „Das sollte man sich nicht entgehen lassen!“, sagt Luis und verspricht jede Menge Energie und Freude. Karten dafür sind noch erhältlich. Neben seiner Leidenschaft für die Musik sind die Liebe zur Natur und zu Tieren nach wie vor feste Bestandteile seines Lebens. „Wenn ich alt bin und genug Geld mit der Musik verdient habe, werde ich wieder in die Natur zurückkehren, entweder hier in Deutschland oder vielleicht auch wieder in meine Heimat Kolumbien. Mal sehen“, sagt Luis und lacht.