Die Vorbereitung eines Dirigenten.
Wir haben mit dem Generalmusikdirektor des Theaters Erfurt, Hermes Helfricht, gesprochen.
Es ist immer ein besonderer Moment, wenn der Dirigent die Bühne betritt, seinen Platz am Pult einnimmt und das Konzert beginnt. Das Publikum erlebt während eines Konzerts nur einen Bruchteil der Arbeit, die Dirigenten bzw. Dirigentinnen im Vorfeld leisten.
Wie lange muss man sich auf das Dirigieren vorbereiten? Und wie sieht diese Vorbereitung ganz allgemein aus?
Auf besonders große Sinfonien und Opern bereitet man sich oft schon Monate, manchmal sogar Jahre im Voraus vor. Dazu zählt vor allem das Notenlesen. Wer jedoch kein Musikstudium absolviert hat, kein Instrument spielt oder sich nie mit dem Singen nach Noten beschäftigt hat, kann beim reinen Lesen von Noten leider keine Melodie im Kopf entstehen lassen. Für Musikerinnen und Musiker hingegen ist das selbstverständlich: Wie beim Erlernen einer Fremdsprache wird das Notenlesen durch jahrelanges Üben und Lernen zur zweiten Natur.
„Wenn ich eine Partitur zum ersten Mal öffne, die noch nie zuvor gespielt wurde, verschaffe ich mir einen ersten Zugang rein über den Notentext. Ich lese die Partitur sehr langsam und gründlich, um zu verstehen, was grundsätzlich im Stück passiert. Dabei beschäftige ich mich mit der Instrumentation, der Struktur, der Dynamik und der Periodik der Takte. Ich spiele dazu am Klavier und studiere die Partitur somit auf vielen Ebenen. All das hilft mir später beim Verinnerlichen des Stücks. Ich versuche auch, die Partituren, die ich dirigiere, auswendig intus zu haben. Schon mein Professor sagte einst: „Man muss die Partitur im Kopf haben und nicht den Kopf in der Partitur.“ Nur so kann ich als Dirigent in den Proben und im Konzert bestmöglich mit den Musikerinnen und Musikern interagieren. Ich bin dann freier, offener und empfänglicher für das gemeinsame Musizieren“, sagt Hermes Helfricht.