Startschuss für „Brokeback Mountain“

Der Oscar-prämierte Film kommt als Oper nach Erfurt

Die Oper des im Jahr 2020 verstorbenen US-amerikanischen Komponisten Charles Wuorinen wurde 2014 in Madrid uraufgeführt und erlebte im Theater Aachen ihre deutsche Erstaufführung. Nach Gießen und Trier ist Erfurt die vierte deutsche Spielstätte, an der die archaische, zeitlose Liebesgeschichte zwischen zwei Männern in einer Tragödie endet. Der Regisseur Jakob Peters-Messer ist in Erfurt kein Unbekannter. Unter seiner Regie wurde 2009 Das Waisenkind von Jeffrey Ching uraufgeführt und 2016 inszenierte er eindrucksvoll Puccinis Tosca bei den DomStufen-Festspielen.

Im Unterschied zum Film, der 2006 in den Kategorien „Beste Regie”, „Bestes adaptiertes Drehbuch” und „Beste Filmmusik” mit drei Oscars ausgezeichnet wurde, spielt die Handlung der Oper nicht an einem romantischen Ort. Vielmehr fungieren die Natur und speziell der Berg als immerwährendes Mahnmal für die Unvereinbarkeit gleichgeschlechtlicher Liebe. So kreiert der Ausstatter Pascal Seibicke eine abstrakte, graue Landschaft, die mit einer naturrealistischen Berglandschaft nichts zu tun hat. Ein Büro, eine Wohnung und ein Hochzeitsgeschäft sind in Schwarz-Weiß und Grautönen gestaltet und kommen mit ganz reduzierten Requisiten aus. Bei den Kostümen setzt er auf heutige Bekleidung, die meist in den Farben Grau und Beige gehalten ist, sowie auf Cowboy-Hüte im typischen Westernstil.

Foto: Steffi Becker | v.l.n.r.: Daniela Gerstenmeyer, Jakob Peters-Messer, Pascal Seibicke, Hermes Helfricht, Máté Sólyom-Nagy, Bartholomäus Pakulski, Marlene Gaßner, Michael Smallwood, Luzia Ostermann
Foto: Steffi Becker | Konzeptionsprobe BROKEBACK MOUNTAIN

Die Geschichte von Ennis del Mar und Jack Twist spielt in den 60er bis 80er Jahren, einer Zeit voller gesellschaftlicher Zwänge und Ablehnung gleichgeschlechtlicher Paare, was sich auch in der Musik von Wuorinen widerspiegelt. Der Berg bzw. die Berglandschaft wird zum Abstraktionsraum, der während der gesamten Inszenierung zu sehen sein wird. Er steht für etwas Bedrohliches, für ein Monument, und ist zugleich der Spiegel der Seelen der beiden Protagonisten, die mit ihren verbotenen Gefühlen füreinander zu zerbrechen drohen. Im ersten Akt stehen die Begegnung und die ersten sexuellen Erfahrungen der beiden Männer im Mittelpunkt, während sie im zweiten Akt in ihre tatsächlichen Lebenswelten zurückkehren und versuchen, ein gesellschaftlich korrektes Leben zu führen. Ennis lebt mit seiner Ehefrau Alma und zwei Töchtern zusammen, während Jack längst mit seiner Frau Lureen verheiratet ist und eine Tochter hat. Doch bei beiden stellt sich kein Eheglück ein. Ennis lässt sich von Alma scheiden, und auch Jacks Ehe leidet unter Spannungen, die durch die wiederholten Treffen der beiden Männer immer größer werden. Schlussendlich hält Ennis die heimliche Liaison mit Jack nicht länger aus und beendet die Liebesbeziehung. Nach vielen Monaten erhält Ennis die Nachricht von Jacks Tod und sucht dessen Haus auf, wo er zwischen dessen konservativen Eltern und Jacks alten Kleidern erkennt, dass die Beziehung zwischen den beiden die wahre Liebe war.

Wir sind sehr gespannt auf die nächsten Probenwochen und das finale Ergebnis, das ab dem 28. März insgesamt sieben Mal im Theater Erfurt aufgeführt wird.