Ein eindringliches Musikdrama über verdrängte Erinnerungen und eine verbotene Liebe
Die Verfolgung homosexueller Männer während der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland ist ein oft vergessener Aspekt im Gedenken an den Holocaust. Viele von ihnen wurden damals verhaftet, in Konzentrationslager deportiert, gefoltert und ermordet. Die Handlung des kurzen Musikdramas von Jake Heggie – dessen Oper Dead Man Walking in Erfurt den Publikumspreis der Saison 2018/2019 erhielt – basiert auf realen Ereignissen und wurde unter anderem von Manfred Lewins Tagebuch sowie den Dokumentarfilm Paragraph 175 inspiriert.
Im Zentrum stehen die Protagonisten Gad, gespielt von Daniel Minetti, und Manfred, dargestellt und gesungen von Alessio Fortune Ejiugwo. Die beiden lernen sich im Berlin des Nationalsozialismus kennen und lieben. Als Juden wurden Manfred und seine Familie deportiert und in Ausschwitz ermordet. Gad überlebte. Der gealterte Gad versucht, die Erinnerungen an die Repressionen unter dem nationalsozialistischen Regime zu verdrängen. Doch Manfred erscheint als Geist und zwingt ihn, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Jake Heggie komponierte dazu eine intime und vor Leidenschaft sprudelnde Musik.
Die Themen der kurzen Oper werden von Regisseurin Stephanie Kuhlmann szenisch-musikalisch fortgeschrieben. In Form einer collageartigen Zeitreise geht es durch wichtige Ereignisse der queeren Community im Kampf um Anerkennung und Gleichberechtigung beginnend in der trotz Kriminalisierung durch den Paragrafen 175 recht unbeschwerten Zeit der Weimarer Republik. Die Stonewall-Unruhen 1969 vereinten die queere Community zum ersten Mal nachhaltig im Kampf gegen Diskriminierung: Die Geburtsstunde einer sich organisierenden Bürgerrechtsbewegung und der jährlichen Christopher Street Days. Bis die „gay plague“ – wie AIDS/HIV zu Beginn der Epidemie genannt wurde – besonders extrem zeigte, dass auch in den 1980er Jahren schwules Leben vielen Menschen noch immer weniger Wert galt. Zwar gibt es auch Erfolge zu feiern wie die Abschaffung des Paragrafen 1994 oder die „Ehe für alle“ 2017 doch zeigen auch aktuelle queerfeindliche Entwicklungen in Deutschland und Queerfeindlichkeit im Rest der Welt, dass der Kampf andauert.
Das Bühnenbild und die Kostüme von Mila van Daag und die Videos von Julian Mosbach erschaffen einen wandelbaren Raum, in dem sich Realität und Erinnerung, Konkretes und in seiner Schrecklichkeit nicht Darstellbares verbinden. Wandelbare Outfits verleihen den Protagonisten den jeweils zeitlich angesagten Look.
Begleitet wird dies mit Musik von Mischa Spolianskys Lila Lied der 1920er bis zu Lady Gagas Born This Way. Darunter sind auch zwei Kompositionen Stefano Casciolis. Er ist 2. Kapellmeister am Theater Erfurt und freut sich sehr, so in dieser Produktion nicht nur als Dirigent und Pianist, sondern zusätzlich als Komponist in Erscheinung zu treten.
Die Premiere findet am 11. April 2026 um 19 Uhr in der STUDIO.BOX statt.