Im Außenlager des Theaters Erfurt kommt eine Krimioper zur Uraufführung
Foto: Steffi Becker | hintere Reihe v.l.n.r.: Sergiy Kostov, Anne Flemming, Bartholomäus Pakulski, Theresa Rohrberg, Mo-Elia Stock, Kristina Ibragimova / Mitte: Nai-Ying Wang, Borislav Rashkov, Maryna Lopez / vordere Reihe: Kseniya Orlova, Daniel Roth, Thora Runhilde Müller
Den Stoff für die Kammeroper liefert die wahre Geschichte von Frieda Baum, die vor 100 Jahren wegen Mordes an ihrem Neugeborenen in Erfurt vor Gericht stand. Aufgrund ihrer desolaten Verfassung wurde sie am Ende der Verhandlung für nicht schuldig erklärt. Die Autoren Frank Esche und Wolfgang Krüger haben sich in ihrem 2019 erschienenen Buch „Thüringer Mörderinnen: Frauenschicksale zwischen Liebe und Schafott“ mit den Mörderinnen und deren Mordmotiven – wie im Fall von Frieda Baum – beschäftigt.
Mit der Frage: Wie konnte es überhaupt so weit kommen? setzt sich Bartholomäus Pakulski in seiner Inszenierung Der Fall Frieda Baum aus der Reihe "Eine Stunde Neuland" auseinander. Um die Dramatik und aussichtslose Entwicklung der Geschichte zu erzählen und zu begreifen, wählte Pakulski in enger Zusammenarbeit mit der Bühnenbildnerin Theresa Rohrberg insgesamt sieben Räume in der Salinenstraße 113, dem Außenlager des Theaters Erfurt, aus. Das Publikum wird durch atmosphärischen Chorgesang, ein Streichquartett des Bergstrom Kollektivs und die Akkordeonspielerin Kseniya Orlova auf dem Weg durch die Räume von der ersten bis zur dritten Etage begleitet.
Die schicksalhaften Begegnungen von Frieda Baum, gesungen und gespielt von Thora Runhilde Müller, mit ihrem herzlosen Vater (und in weiteren Rollen, Borislav Rashkov) sowie ihrer Stiefmutter (und in weiteren Rollen, Maryna Lopez), einer Ehefrau (und in weiteren Rollen, Anne Flemming) und einem Unbekannten, den sie schließlich heiraten soll (Sergiy Kostov), finden in den sieben dafür hergerichteten Räumen statt.
Die Kostümbildnerin Nai-Ying Wang wählte zum einen schlichte Alltagskleidung wie Kleider aus Leinen in gedämpften Farben und zum anderen PVC-Folie für die Kostümteile, in die die Darstellerinnen und Darsteller in den verschiedenen Räumen schlüpfen. Der Komponist Daniel Roth, der bereits die Schauspielmusik für das Kinderstück Tintenherz schrieb, setzt auf eine Mischung unterschiedlicher Musikstile. Zu hören sind effektvolle Klänge aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sowie zeitgenössische Musik, die ins Ohr und unter die Haut gehen.
Wir wünsche allen Beteiligten eine erfolgreiche, intensive und gute Probenzeit. Die Premiere ist am 15. Mai 2026 und zwei weitere Vorstellungen finden am 31. Mai und am 11. Juni 2026 statt. Weiter Informationen sind online und im Besucherservice erhältlich.