Märchenoper oder Tragödie

Wir haben mit Ilia Papandreou über Rusalka gesprochen.

Nicht immer geht ein Märchen gut aus. Manchmal bleibt das Ende offen oder es endet sogar tragisch und regt dadurch zum Nachdenken an. Für Ilia Papandreou macht letzteres den Reiz aus. Vielleicht sind es gerade die starken Persönlichkeiten, die in einer Tragödie Entscheidungen mit entsprechenden Folgen treffen oder auch ihre eigenen griechischen Wurzeln, die ihre Vorliebe für das Genre im Gegensatz zu klassischen Märchen mit Happy End erklären.

Für die neue Inszenierung von Rusalka wurde Ilia Papandreou als Gastsängerin angefragt. Mit großer Freude nahm sie nicht nur die Rolle der Rusalka an, sondern kehrte sehr gern in ihre zweite Heimatstadt Erfurt zurück. Hier gewann sie 2006 ein Vorsingen direkt nach dem Abschluss ihrer Ausbildung. Guy Montavon engagierte sie damals als festes Ensemblemitglied für neun Jahre. Gleich in ihrer ersten Spielzeit übernahm sie unter anderem in Beethovens Fidelio, in Der Rosenkavalier von Strauss und in Mozarts Die Zauberflöte große Solorollen und schätzte stets die herzliche und freundliche Atmosphäre am Theater Erfurt und in der Stadt. Um ihre musikalische Karriere weiterzuentwickeln, verließ sie 2015 Erfurt und arbeitet seitdem als freischaffende Künstlerin unter anderem in Deutschland, Österreich, Tschechien, Frankreich und Italien.

Hast du schon einmal die Rolle der Rusalka gesungen?

Ja, ich habe Rusalka bereits 2008 am Theater Erfurt in der Wiederaufnahme der Inszenierung von Dmitrij Bertram gesungen und mich sehr über die neue Anfrage gefreut. Für mich ist es absolut spannend, eine Rolle noch einmal zu singen. Man baut auf ein vorhandenes Fundament auf und kann zusätzliche Erfahrungen der eigenen Stimme mit einfließen lassen. Zudem ist man bei einer neuen Inszenierung am gesamten Entstehungsprozess über mehrere Wochen mit beteiligt. Man taucht viel tiefer in die Rolle ein als bei einer Wiederaufnahme, bei der das Stück bereits komplett fertig ist und nichts mehr verändert wird.

Wie hast du dich auf die Rolle vorbereitet?

Das Singen in einer fremden Sprache wie Tschechisch braucht generell viel Vorbereitungszeit und jede Menge Übung. Man muss neben den eigenen Textstellen ja auch das Gesungene der anderen gut verstehen, damit man auf der Bühne seinen Einsatz nicht verpasst. Obwohl ich die Rolle vor über 15 Jahren schon einmal gesungen habe, musste ich die Texte gefühlt alle komplett neu lernen, wobei mich zum Glück eine Muttersprachlerin über viele Wochen unterstützt hat. Ich habe jedes einzelne Wort immer wieder aufgeschrieben und wiederholt. Gott sei Dank kam mir nach fast drei Monaten mein Unterbewusstsein zugute, es machte mit einmal klick, und ich konnte alle Texte auswendig.

Was gefällt dir am meisten an der Rolle der Rusalka?

Ich mag die Stärke, Kraft und Entschlossenheit von Rusalka, die für ihre große Liebe bereit ist, jeden Preis zu zahlen, ihresgleichen zu verlassen und damit alles aufzugeben, was sie hatte.

Warum sollte man sich Rusalka ansehen?

Das Publikum kann sich auf ein absolut stimmiges Gesamtkunstwerk freuen, das ans Herz und unter die Haut geht. Es ist die richtige Mischung aus Inszenierung und wunderschöner Musik, die es einem einfach macht, der Handlung zu folgen.

Regisseur Guy Montavon und Ausstatter Hank Irwin Kittel haben die Märchenoper von Antonín Dvořák und Jaroslav Kvapil komplett in ein dreigeschossiges Schloss verlegt. In diesem arbeitet die junge Rusalka und verliebt sich in den adligen Hausherren, der ihre Liebe zunächst erwidert, bis eine andere Frau ins Spiel kommt. Diese ist das komplette Gegenteil und reizt den Prinzen mit ihrer Erfahrenheit und Ausstrahlung. Rusalka bleibt stumm und kann sich nicht erklären. Es scheint, als würde sich der Prinz ganz von Rusalka abwenden…

Solche Situationen begegnen einem oft im Alltag. Klassische Beziehungsprobleme, in denen man nicht die richtigen Worte findet oder verlernt hat, sich gegenseitig zuzuhören. Rusalka ist ein wunderschönes Märchen, ohne Kitsch, sondern mit Tiefgang und auf jeden Fall einen Besuch wert.