Hirschgeweihe ohne einen Schuss

Für einen Jäger unvorstellbar – für das Theater Erfurt kein Problem

Die Märchenoper Rusalka von Antonín Dvořák und Jaroslav Kvapil spielt in Erfurt in einem dreigeschossigen Schloss. Im obersten Geschoss befindet sich der Festsaal des Prinzen. Für dessen Ausgestaltung hat Ausstatter Hank Irwin Kittel nicht nur eine riesige Tafel aufgestellt, sondern auch insgesamt 52 Hirschgeweihe an den Wänden platziert, die die zahlreichen Erfolge der feinen Jagdgesellschaft visualisieren sollen. Zur Beschaffung der Geweihe brauchte es weder gute Kontakte zu Jägern, noch musste ein Tropfen Blut fließen. Insgesamt 48 kleinere und 4 große Hirschgeweihe stellten die Kolleginnen aus der Kaschierwerkstatt im Sommer dieses Jahres her. Die Grundgestelle wurden zunächst in der Schlosserei angefertigt und im Anschluss von der Theaterplastikerin Claudia Wilke mit handelsüblichem Pistolenschaum, der für einen täuschend echten „Look“ sorgt, umhüllt. Die Hirschschädel fertigten die Kolleginnen parallel aus spezieller Gießmasse. Diese wurde in extra dafür hergestellte Gipsformen gegossen, nach dem Trocknen bemalt und mit den Geweihgestellen fest verbunden. Neben den zahlreichen Geweihen standen etliche Fisch-Modelle auf der Requisitenliste für die Märchenoper Rusalka.

Foto: Steffi Becker | Claudia Wilke (Theaterplastikerin)
Foto: Jakob Burkhardt | Theaterwerstätten

Fische ohne typischen Geruch

Für die Räumlichkeiten, in denen sich vor allem die Bediensteten in der Oper bewegen, wählte Kittel typische Symbole aus der Unterwasserwelt. Fische in allen Größen und Formen soll das Publikum in der Großküche und im Keller zu sehen bekommen. Sie stehen für die Welt der Wasserwesen aus der Rusalka stammt und verdeutlichen die Gegensätze zur Welt der Menschen. Die Herstellung der Fische war für die Requisiteurin Claudia Töppler und die Theaterplastikerinnnen Lena Schlecht und Claudia Wilke besonders spannend und vor allem geruchsintensiv. Anfangs hatten sie unter anderem gefrorene Doraden als Vorlage für die Fertigung einiger Gipsformen besorgt. Diese tauten jedoch bei den sommerlichen Temperaturen Anfang August viel zu schnell auf und sorgten für extremen Fischgeruch, der sich schnell im ganzen Raum verteilte und in den Klamotten festsetzte. Eine Alternative aus Styropor musste her. Entsprechend geformt und zurechtgeschnitzt konnten damit absolut geruchsneutrale Gipsformen in verschiedenen Größen und Formen hergestellt und später mit Gummimilch ausgegossen werden. Nach dem Trocknen der Gummimilch-Fische und dem passenden Anstrich sind die Attrappen fast nicht mehr von ihren Originalen zu unterscheiden. Bis auf den Geruch :-)