Die Hauptrolle in „Don Giovanni“

Mit dieser Rolle startet für Alessio Fortune das Thüringer Opernstudio am Theater Erfurt

Als Mitglied im Thüringer Opernstudio in der Spielzeit 2025/26 war er, genau wie Antonia Schuchardt, sehr überrascht über das Angebot, eine so große Rolle übernehmen zu dürfen. Er war gleichzeitig sehr aufgeregt und auch ein wenig ängstlich, aber vor allem motiviert und neugierig, diese komplexe Rolle des Don Giovanni zu entdecken. „Ich habe von Anfang an die große Verantwortung gespürt, diese Figur als Künstler auf die Bühne zu bringen und ihrem Wesen gerecht zu werden“, sagt Alessio Fortune.

„Normalerweise singt man eine Hauptrolle erst am Ende des Opernstudios. Umso mehr habe ich mich über diese Chance am Anfang der Spielzeit gefreut. Die Zusammenarbeit und die Proben mit der Regisseurin Alexandra Pape und dem Generalmusikdirektor Hermes Helfricht waren großartig. Ich konnte mich super weiterentwickeln und bin im Laufe der Proben über mich hinausgewachsen. Auch die intimeren Szenen waren für mich dank der Intimitätskoordinatorin kein Problem. Wir wurden von Anfang an begleitet, geschult und professionell unterstützt, um uns auf der Bühne sicher zu fühlen. So intensiv habe ich das vorher noch nie erlebt. Ich denke aber, dass auch andere Theater dieses Angebot nutzen sollten“, so Alessio Fortune.

Stimmlich passt die Rolle des Don Giovanni perfekt zu ihm. Obwohl sie ursprünglich für einen Bassbariton geschrieben wurde, kann er die tiefe Tessitura mit seiner baritonalen Stimme gut bewältigen. Zudem bietet sie ihm die Möglichkeit, die charakterliche Vielschichtigkeit der Figur stimmlich herauszuarbeiten, verriet er uns im Gespräch. Trotz seines Rollendebüts in Erfurt hatte er einzelne Arien aus dem Stück bereits an anderen Häusern gesungen und war daher mit der Musik vertraut. Auch sprachlich ist die Rolle für ihn perfekt, denn als Muttersprachler verfügt er über ein natürliches Gespür für den Klang, den Rhythmus und die Nuancen der italienischen Sprache. „Es fühlt sich an wie zu Hause“, sagt er lachend. Von dieser Vertrautheit profitiert er auch in Verdis „Ein Maskenball“, in dem er in dieser Spielzeit die Zweitbesetzung des Silvano übernimmt.

Foto: Lutz Edelhoff | Alessio Fortune, Ensemble, Opernchor
Foto: Lutz Edelhoff | Alessio Fortune, Kakhaber Shavidze

Am 2. November hatte er seinen ersten Auftritt als Don Giovanni und wird sich am 21. November ein weiteres Mal dem Publikum als der berühmt-berüchtigte Frauenheld präsentieren. Er war schon ein bisschen aufgeregt, erzählte er uns. Aber anders als bei den durchschnittlich nur 20 Probentagen in Italien weiß man nach sieben intensiven Probenwochen in Deutschland ganz genau, was, wann, wo und warum auf der Bühne passiert. „Außerdem habe ich sehr von den Erfahrungen des Ensembles profitiert. Ich konnte jederzeit auf alle zugehen und habe großartige Unterstützung bekommen. „Von Rainer Zaun, der Don Giovannis Diener Leporello singt, habe ich unglaublich viel gelernt – nicht nur in Bezug auf das Ausführen zahlreicher Aktionen auf der Bühne, sondern vor allem, wie wichtig es ist, auf jede Aktion mit der richtigen Reaktion zu antworten. Dieses Zusammenspiel zwischen den beiden Figuren ist so subtil wie essenziell: Jede Bewegung, jeder Blick, jede kleine Nuance beeinflusst das Gegenüber und den gesamten Szenenfluss. Auf den ersten Blick mag das banal erscheinen, doch gerade solche Grundlagen gehen jungen Sänger:innen oft verloren. Zu erkennen, dass die Wirkung einer Rolle nicht nur aus großen Gesten, sondern aus dem feinen, gegenseitigen Austausch entsteht, hat meine Herangehensweise an die Bühne nachhaltig geprägt.“, schwärmt Alessio.

Neben seiner Arbeit in Erfurt genießt der Wahl-Weimaraner seine Freizeit, um sich mit Freunden zu treffen, Sport zu treiben und zu reisen, wenn es die Zeit erlaubt. Und obwohl er bereits an verschiedenen Orten aufgetreten ist, ist er besonders stolz und dankbar, nun Teil des Erfurter Ensembles sein zu dürfen.