Das Bild zeigt Alessio Fortune Ejiugwo (Manfred) und Daniel Minetti (Gad).

For a Look or a Touch

Im Gespräch mit Regisseurin Stephanie Kuhlmann

Einige Tage vor der Premiere von Jake Heggies Kammeroper For a Look or a Touch hatten wir die Gelegenheit, mit Stephanie Kuhlmann über ihre Inszenierung zu sprechen.

Warum hast du dich für das Stück entschieden und worum geht es?

Ich habe ganz bewusst nach einem Stück gesucht, das aktuell relevant ist und uns zugleich etwas über die Vergangenheit erzählt.

Mit großer emotionaler Intensität erzählt For a Look or a Touch von der Verfolgung homosexueller Männer zur Zeit des Nationalsozialismus. Schon das bloße Anschauen oder Berühren eines anderen Mannes konnte tödlich enden. In diesem Klima verlieben sich Gad und Manfred in Berlin. Doch bald verliert Gad Manfred an das NS-Regime. Als Juden werden er und seine Familie deportiert und in Auschwitz ermordet. Gad überlebt. Während Manfred sich an alles erinnern möchte, versucht Gad, die Gräuel des nationalsozialistischen Regimes zu vergessen.

Wie ist das Bühnenbild gestaltet?

Das Bühnenbild ist eine Kombination aus Erinnerungs- und Traumraum. Gads Wohnung wird in einzelnen Versatzstücken sehr realistisch dargestellt. Hinzu kommen Projektionsflächen, durch die das konkrete Setting mit Erinnerungen kombiniert wird. Die heutige Zeit verschwimmt mit den Erinnerungen, Realität mit traumhafter Vision.

Was erwartet das Publikum und welche Botschaft soll das Stück vermitteln?

Trotz des bedrückenden Themas gibt es in der Inszenierung viele lichte und leichte Momente. Auf einer rund einstündigen, collageartigen Zeitreise durchqueren wir historisch bedeutende Stationen der queeren Community. „Obwohl das Stück an sich sehr emotional ergreifend, intensiv und teilweise echt keine leichte Kost ist, gibt es auch einige lustige Momente“, schildert FSJler:in Carter von einer Probe.

Für die heutige Gleichberechtigung haben viele Menschen lange gekämpft. Doch aktuelle queerfeindliche Entwicklungen in Deutschland und weltweit zeigen, dass dieser Kampf weitergeführt werden muss, um nicht das zu verlieren, was bereits erreicht wurde. Aktuelle Beispiele wie z.B. die Aberkennung des politischen Status des CSD-Straßenfestes in Dresden machen deutlich, dass gesellschaftliche Akzeptanz weiterhin aktiv verteidigt und gestärkt werden muss.

Am 11. April findet um 19 Uhr die Premiere in der STUDIO.BOX statt. Wir sind sehr gespannt und wünschen toi, toi, toi!

Das Bild zeigt Alessio Fortune Ejiugwo (Manfred) und Daniel Minetti (Gad).
Foto: Lutz Edelhoff | Alessio Fortune Ejiugwo (Manfred), Daniel Minetti (Gad)