Endspurt für „Ein Maskenball“

Nächste Woche feiert die neue Produktion im Theater Erfurt Premiere

Wir waren bei dem MDR Thüringen Radio Interview mit der Regisseurin Katharina Kastening und dem Generalmusikdirektor und Musikalischen Leiter Hermes Helfricht mit dabei und haben spannende Details erfahren.

„Gut Ding will Weile haben“ – dieses Sprichwort trifft auch auf die Uraufführung von Giuseppe Verdis Oper Ein Maskenball zu. Die Oper wurde vor dem historischen Hintergrund der Ermordung des schwedischen Königs Gustav III. bei einem Attentat während eines Maskenballs erschaffen. Das Libretto von Antonio Somma schildert die inneren Konflikte des Monarchen ebenso wie die Intrigen und Machtkämpfe am Hof. Bis zur Uraufführung wurde das Werk mehrfach von der Zensur beanstandet und ebenso oft überarbeitet.

Heutige Inszenierungen sind glücklicherweise nicht mehr der Gefahr einer Zensur ausgesetzt. Im Gegensatz zu Verdi, der seine Oper in Boston spielen ließ, verlegt Katharina Kastening die Handlung in die Zukunft. Aber keine Sorge, wir befinden uns weder in den unendlichen Weiten des Universums wie bei Star Wars noch auf einem Raumschiff, sondern unter der Erde. Der Klimawandel hat längst stattgefunden, die Umwelt ist zerstört und die Menschen leben in Bunkern, die je nach Gesellschaftsschicht unterschiedlich ausgestattet sind. Während die Elite sorglos in klimatisierten und bestens ausgestatteten Schutzräumen lebt, wohnt das einfache Volk in höhlenartigen, dunklen und feuchten Räumen. Gezeichnet von Kälte und Krankheiten spüren sie die Gefahren der Zerstörung an der Erdoberfläche am eigenen Leib – im Gegensatz zur Elite.

Foto: Lutz Edelhoff | Bühnenprobe EIN MASKENBALL
Foto: Lutz Edelhoff | Bühnenprobe EIN MASKENBALL

Seit Mitte Dezember arbeitet das Ensemble des Theaters Erfurt an dieser außergewöhnlichen Inszenierung. „Die Oper wird als Dystopie erzählt”, sagt die Regisseurin und begründet ihre Entscheidung für die fiktive Welt wie folgt: „Wir wollten ein Umfeld finden, das das impulsive, erratische und egoistische Verhalten der handelnden Figuren rechtfertigt. Es geht um Liebe, Mord, Verrat, Rache und politische Intrigen. In der Gesellschaft herrscht Unruhe, vor allem die Elite ist gegen den Anführer Riccardo, der sich für eine gerechte Verteilung der Gelder in allen Gesellschaftsschichten einsetzt. Seine offene und reformerische Art führt letztendlich zu seiner Ermordung auf einem wirren, bunten und unheimlichen Maskenball.“

Für den Erfolg einer Inszenierung spielen neben der szenischen Arbeit auf der Bühne auch die Musik und das Zusammenspiel mit dem gesamten Ensemble eine entscheidende Rolle. „Wenn man Freude an der Arbeit hat, dann sieht man das auch auf der Bühne“, sagt Katharina Kastening, die die Zusammenarbeit mit Hermes Helfricht sehr schätzt.

Hermes Helfricht freut sich ganz besonders, diese große Oper mit dem Philharmonischen Orchester Erfurt zu spielen. Als Verdi Ein Maskenball komponierte, war er bereits 45 Jahre alt und hatte schon 21 Opern vollendet und uraufgeführt. „Es gibt große Emotionen, fantastische Arien, Duett-Ensembles und einfach wunderbare Musik für den Chor. Es wird für alle Musiker:innen, Sänger:innen und das Publikum ein großer Spaß“, sagt Helfricht und ergänzt: „Gesungen wird auf Italienisch, was viel besser zu Verdis Melodien passt als die deutsche Übersetzung des Textes. Auch wenn man kein Italienisch versteht, erfährt man allein durch die Musik, worum es auf der Bühne geht. Das Live-Erlebnis ist einfach etwas ganz Besonderes und nicht zu vergleichen mit einem Historiendrama auf Netflix.“

Ob der Funke überspringt, können Sie ab dem 7. Februar zur Premiere und in den sechs darauffolgenden Vorstellungen selbst herausfinden.

Karten und weitere Informationen erhalten Sie im Besucherservice und online.