Die Rolle des Tanzes in "María de Buenos Aires"

Der Tanz verleiht Marías Geschichte Ausdruck und Tiefe

Im Gespräch mit den Choreografinnen Silvina Machado und Elli Treptow wird deutlich, welche zentrale Rolle der Tanz in Astor Piazzollas Tango-Oper spielt. Und obwohl Erfurt und Buenos Aires rund zwölf Flugstunden trennen, entfaltet Piazzollas Musik im Theater Erfurt sofort das unverwechselbare Flair der argentinischen Metropole.

Für die gebürtige Argentinierin Silvina Machado, die 15 Jahre in Buenos Aires lebte, bevor sie 2019 gemeinsam mit Héctor Corona nach Erfurt zog, ist die Inszenierung ein Stück Heimat. Sie liebt und lebt für und mit dem Tanz seit sie klein ist. Für sie ist Tanzen ein Weg, der Realität zu entfliehen, als könnte sie beim Tanzen zu einer anderen Person werden, „es fühlt sich fast an wie fliegen“, sagt Silvina.

In der Inszenierung María de Buenos Aires gibt es nicht nur den Tango Argentino. Piazzolla verwendete verschiedene Musikstile und fügte neben klassischer und moderner Musik auch Jazz und Pop hinzu. Das Publikum erlebt eine Kombination aus Contemporary und Tangotanz. Dabei dient der Tanz als Werkzeug, um die tragische Geschichte von María zu erzählen. Der Contemporary Tanz wird von den Tänzerinnen Elli Treptow und Dagmar Hunzinger performt.

Elli Treptow ist freiberufliche Regisseurin und Tänzerin und in dieser Inszenierung zudem als Choreografin tätig. In der Inszenierung stellen die beiden Tänzerinnen die inneren Emotionen und Kämpfe der María mit sich selbst dar. Sie werden auch als die „vergangenen Marías“ bezeichnet, die beispielsweise Versionen ihrer selbst waren oder nur noch aus Erinnerungen bestehen. Thematisch wird die Wiedergeburt, der Kreislauf von Leben und Tod sowie der immerwährende Versuch, aus diesem Kreislauf auszubrechen, durch den Tanz dargestellt.

Foto: Lutz Edelhoff | Candela Gotelli, Dagmar Hunzinger, Elli Treptow, Silvina Machado (v.l.n.r.)
Foto: Lutz Edelhoff | Tanzschule Esquina del Tango // Bild rechts: v.l.n.r. Carlos Miguel Cisneros, Silvina Machado, Héctor Corona

Der Tanz kommt dabei ganz ohne Worte aus. Gerade das macht es für Elli Treptow besonders schwer, die Bedeutung des Tanzes für sich in Worte zu fassen: „Das Besondere beim Tanzen ist ein Zustand, in den man kommt, wo die Welt außen nicht mehr so richtig existiert. Das passiert aber nicht immer, deswegen ist es so besonders. Man hat einen ganz anderen Zugang zu seinem Körper. Man denkt nicht mehr, sondern alles fließt aus einem heraus. Es ist wahnsinnig kathartisch und ein einzigartiges Gefühl“.

In Stephanie Kuhlmanns Inszenierung werden die Contemporary-Tänzerinnen und die drei professionellen Tangotänzer:innen gemeinsam mit fünf Paaren der Tanzschule Esquina del Tango auf der Bühne tanzen. Letztere sind keine professionellen Tänzer:innen, sondern tanzen in ihrer Freizeit. Sie haben ganz unterschiedliche Erfahrungslevel, aber sie alle teilen die Lust und die Leidenschaft für den Tango Argentino. Für die Tanzschule ist es die zweite Gelegenheit, vor so einem großen Publikum aufzutreten. Alle Tanzpaare der Tanzschule waren von der Idee, bei María de Buenos Aires mit auf der Bühne zu tanzen, von Anfang an total begeistert und voller Euphorie. Diese Chance wollten sie sich auf keinen Fall entgehen lassen.

An drei Terminen haben Sie im Anschluss an die Vorstellung direkt die Gelegenheit, bei einer Milonga selbst das Tango-Tanzbein zu schwingen. Dabei ist nicht nur das Tanzen selbst eine einzigartig schöne Erfahrung, sondern auch das Zuschauen, das Genießen und Eintauchen in die einzigartige Atmosphäre des Tangos.

María de Buenos Aires NEWS04