Auftakt für "Don Giovanni"

Sieben Wochen Probenzeit bis zur Premiere

Auf der Probebühne war gestern richtig was los. Zur großen Freude von Regisseurin Alexandra Pape, der Bühnengestalterin Tamara Stotz, der Kostümbildnerin Yeon-Sung Monz und der Dramaturgin Anna Nolte nahmen neben den zum Teil doppelt besetzten Hauptrollen, auch der Opernchor, Kolleginnen und Kollegen aus der Verwaltung und Technik sowie die Premierenklasse aus dem Königin-Luise-Gymnasium Erfurt an der Konzeptionsprobe für Mozarts Meisterwerk Don Giovanni teil.

Die Regisseurin legt den Fokus in ihrer Inszenierung einerseits auf die Figur des Don Giovanni und andererseits auf die Frauenfiguren im Stück. Sie versucht, die jeweiligen Perspektiven und Absichten der Figuren herauszuarbeiten. Was treibt den Vergewaltiger zu immer neuen Grenzgängen? Ist er ein Narzisst? Hält er es schlichtweg nicht aus allein zu sein? Zerbricht er am Ende an der Einsamkeit? Bei den Frauen, die zu Opfern von Don Giovannis Manipulation und Übergriffen wurden, liegt der Schwerpunkt auf ihrem Austausch über das Erlebte und einem gemeinsamen Rachefeldzug. Alle Figuren haben vielschichtige Charaktere, ihre Handlungen sind zu keiner Zeit vorhersehbar. Für die berühmte Schlussszene, in der Don Giovanni dem Geist des Komturs begegnet, der ihn für seine Taten bestraft, wählt Alexandra Pape einen anderen Weg, um die übernatürliche Ebene darzustellen.

Foto: Steffi Becker | Regieteam und Ensemble
Foto: Steffi Becker | Tamara Stotz (Bühnenbild), Yeon-Sung Monz (Kostümbild)

Die Vergewaltigungen von Mazan, in denen Gisèle Pelicot von ihrem Ehemann über fast ein Jahrzehnt hinweg wiederholt betäubt, missbraucht und von über 80 Fremden vergewaltigt wurde, machen als besonders erschreckendes Beispiel die Aktualität der Oper deutlich: Das eindeutige Einverständnis von Frauen gilt vielen Männern offensichtlich noch immer nicht als notwendige Voraussetzung zu sexuellen Handlungen mit ihnen.

Auf der Bühne hingegen wird Einvernehmlichkeit in dieser Produktion großgeschrieben: Zum Schutz der Darstellerinnen und Darsteller während der Proben und der späteren Vorstellungen werden intime Szenen und vor allem die Darstellung sexualisierter Handlungen durch eine Intimitätskoordinatorin begleitet. In der deutschen Filmbranche gibt es diese Form der Unterstützung seit rund fünf Jahren. An den deutschen Theatern ist dieses Thema jedoch noch weitgehend Neuland. Magz Barrawasser sorgt dafür, dass das Publikum bei insgesamt neun Szenen simulierte Sexualität erlebt, die sich für die Darstellerinnen und Darsteller zu jeder Zeit sicher, geschützt und rein technisch anfühlen wird.

Tamara Stotz schafft auf der Drehbühne mit charakteristischen stilistischen Merkmalen eine realistische Atmosphäre unterschiedlichster Schauplätze. So verwandelt sich die Bühne unter anderem in einen Palast, einen Friedhof, eine Totenhalle, die Fassade von Donna Annas Haus, sowie in einen öffentlichen Park für Picknicks, der auch als Palastwiese dient. Ebenso entsteht ein Rückzugsort, an dem man sich trifft, austauscht und raucht.

Die Kostümbildnerin setzt auf starke Kontraste. So trägt der Adel Gold, Schwarz und Weiß sowie Dunkelgrün. Dessen Dienerschaft ist als solche klar zu erkennen, genauso wie die Bauern, die kreidig-pudrige Naturtöne tragen.

Wenn Sie erleben wollen, wie sich am Ende alles auf der Bühne zusammenfügt, dann kommen Sie zur Premiere. Diese findet am 25. Oktober 2025 um 19 Uhr statt.