Tschaikowskys Vierte

Tschaikowskys Vierte

10.12.2019

Im 4. Sinfoniekonzert dirigiert Myron Michailidis die Sinfonie Nr. 4 von Peter Tschaikowsky, eines der bekanntesten Werke der Musikgeschichte. Vor der Pause stehen dagegen zwei unbekannte Stücke auf dem Programm, von Nikos Skalkottas und Bernhard Crusell. Im Interview erzählt GMD Myron Michailidis von diesem ungewöhnlichen Programm.



4. SiKo GMD quadLieber Herr Michailidis, Skalkottas, Crusell und Tschaikowsky: Welche Verbindungen schlägt das Programm des 4. Sinfoniekonzerts?
Es ist ein Programm der starken Kontraste. Nach der Pause steht die vierte Sinfonie von Peter Tschaikowsky, eine der berühmtesten und bekanntesten Sinfonien überhaupt, ein perfektes Werk. Als Gegensatz habe ich mir für den ersten Teil zwei Stücke ausgesucht, die ganz selten zu hören sind, eines davon aus Süd- und eines aus Nordeuropa. Die beiden Komponisten haben dabei ganz unterschiedliche Lebensschicksale gehabt: Nikos Skalkottas war ein sehr begabter Geiger, hat bei Arnold Schönberg studiert und wirklich tolle Sachen komponiert. Aber er hat vor seinem viel zu frühen Tod nie große Anerkennung genossen. Ganz anders Crusell: Er war am Anfang des 19. Jahrhunderts ein sehr berühmter Klarinettist – angeblich der Einzige, über den niemals eine negative Kritik erschienen ist. In seiner Sinfonia Concertante für Klarinette, Horn, Fagott und Orchester stehen drei Holzbläser-Solisten aus dem Orchester im Mittelpunkt, und bei den fantastisch instrumentierten „Griechischen Tänzen“ von Skalkottas hat jede Streichergruppe eine sehr wichtige Rolle.

Was fasziniert Sie an der Musik von Skalkottas?
Als Geiger war Skalkottas ein hervorragender Streicherkenner. Das merkt man an seiner fantastischen Instrumentation. Er schreibt griechische Volkstänze, wie sie kein anderer geschaffen hat: Seine Fantasie und seine Kenntnis der griechischen Musik und Rhythmik sind hervorragend, parallel dazu hat er tolle und ganz individuelle Harmonien und Orchesterfarben. Egal mit welchem Orchester ich diese Musik gespielt habe, überall waren die Musiker von der Kompositionstechnik begeistert, von den Ideen, von der Instrumentation!

Crusell wurde zu seinen Zeiten in ganz Europa gefeiert, heute ist er weitgehend vergessen. Wie sind Sie auf Ihn und seine Sinfonia Concertante gekommen?
Das war ein Vorschlag aus dem Orchester, da bin ich immer sehr offen. Ich war lange auf der Suche, weil ich in der Spielzeit zum Jubiläum 125 Jahren Philharmonisches Orchester Erfurt ein Konzert mit Solobläsern aus dem Orchester machen wollte. Ich habe dann von den Orchestermusikern mehrere Vorschläge bekommen, darunter eben die Sinfonia Concertante von Crusell. Das kam von Herrn Kaiser, unserem Soloklarinettisten. Er hat mir die Noten gebracht und ich habe mir das Stück angehört, denn ich kannte es noch gar nicht, fand es aber sehr reizvoll und habe mich dann entschlossen: Das möchte ich mit den Solisten aus meinem Orchester machen.

4. SiKo TschaikowskyTschaikowskys Vierte ist eines der bekanntesten Musikstücke überhaupt. Können Sie sich noch daran erinnern, wie Sie diese Musik zum ersten Mal gehört haben?
Mein erster Kontakt mit der Musik von Peter Tschaikowsky ist tatsächlich auf eine ganz besondere Art zustande gekommen. Als Achtjähriger war ich mit meiner Familie bei einem Freund von meinem Vater eingeladen. Damals dachte ich, dass es nur die Sinfonien von Beethoven gibt (lacht). Der Freund von meinem Vater hat mich dann gefragt, ob ich mal eine Sinfonie von Tschaikowsky hören will. So habe ich zum ersten Mal Tschaikowskys Fünfte gehört und war vollkommen fasziniert. Zu Weihnachten hat mir dann mein Vater eine Box mit Aufnahmen von allen Tschaikowsky-Sinfonien geschenkt. Das war für mich eine unvergessliche Erfahrung und musikalische Erweiterung. Die vierte Sinfonie ist schon lange nicht mehr in Erfurt gespielt worden, daher ist es jetzt in der Jubiläumsspielzeit mal wieder Zeit, die Sinfonie auf das Programm zu setzen. Das wird für alle Musiker eine große Freude und eine besondere Herausforderung!

Die Fragen stellte Malte Wasem.



Termine 12. und 13. Dezember 2019, jeweils um 20 Uhr


4. Sinfoniekonzert

Konzert

4. Sinfoniekonzert

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