Urfaust

Tragödie von Johann Wolfgang Goethe
(Faust. In ursprünglicher Gestalt)
UA Frankfurt 1818

Faust findet keine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens. Zwischen Anmaßung und Selbstüberschätzung, Zweifel und Lebensangst hin- und hergerissen, können ihm weder die Naturwissenschaften noch die Magie bei seinem übermenschlichen Anspruch, die Welt als Ganzes zu begreifen, weiterhelfen. Von einer inneren Leere getrieben, sucht er an der Seite Mephistopheles sein Glück und diese unbefriedigte Sehnsucht in der Welt zu stillen. Dort begegnet Heinrich Faust Margarete und ist entflammt. Sie wird zu seinem Objekt der Begierde, und mit Hilfe Mephistopheles verführt er das jungfräuliche Mädchen, ohne an Konsequenzen zu denken. „Meine Ruh ist hin, mein Herz ist schwer“, Gretchens Welt hat sich ver – rückt, gesellschaftliche Grenzen gelten für sie nicht mehr, und so wird sie unschuldig schuldig.

Nicht das Gelehrtendrama, sondern die Gretchentragödie steht im Zentrum von Goethes erster Bearbeitung des Faust-Stoffes, die er nach einem realen Fall, den der Kindsmörderin Susanna Margaretha Brandt, niederschrieb. Die Arbeit an seinem Faustdrama hat Goethe (1749–1832) sein Leben lang beschäftigt. Von den Anfängen des Urfaust (1772) bis zur Vollendung der „Tragödie zweiter Teil“ ein Jahr vor seinem Tode konnte die reiche Erfahrung seines ungewöhnlichen Lebens in das Werk einfließen. Dem Urfaust fehlen noch einige Szenen, aber fast mehr als im Gehalt unterscheidet er sich in seiner Form von dem späteren Werk. Wichtige Szenen, die dann in Versen erscheinen, haben hier eine kraftvolle, leidenschaftliche Prosa.